Das Gefahrenbewusstsein in Sachen Brandschutz ist leider niedrig

26. Februar 2018

© Foto: Foto Weinwurm

Das Gefahrenbewusstsein in Sachen Brandschutz ist leider niedrig

26. Februar 2018

Der Innungsmeister der Wiener Rauchfangkehrer, Christian Leiner, will das Gefahrenbewusstsein für Brände steigern und wünscht sich regelmäßige Brandschutz-Begehungen in allen Bauten.

Dass die Wiener Bauordnung seit vier Jahren erlaubt, Neubauten ohne Notkamine zu errichten, sieht Christian Leiner, Innungsmeister der Wiener Rauchfangkehrer, kritisch. Nicht nur, weil damit die Arbeit seiner Branche – das Überprüfen und Reinigen der Kamine – obsolet wird. Den Bewohnern nehme man damit auch die Möglichkeit für Heizalternativen wie Kachelofen oder offenen Kamin, die ja auch Behaglichkeit schaffen, sagt Leiner. Und er sorgt sich um den vorbeugenden Brandschutz. „Wir kommen in solche Häuser gar nicht mehr hinein. Wer kontrolliert dort aber die Einhaltung der Brandschutzvorschriften?” Derzeit schaue seine Zunft bei den Kehrterminen in den Wohnhäusern auch darauf, ob die feuerpolizeilichen Vorschriften eingehalten werden. Wo kein Kamin ist, wird nicht gekehrt, und damit entfällt auch diese Kontrolle. Leiner kann sich deshalb verpflichtende Brandschutzbegehungen durch den Rauchfangkehrer vorstellen – unabhängig vom Vorhandensein eines Kamins. 

Was den Brandschutz betrifft, ortet Leiner ein eher unterentwickeltes Gefahrenbewusstsein. „Die wenigsten Menschen denken daran, dass im Stiegenhaus abgestellte Fahrräder, Kinderwägen oder Möbel im Brandfall zu tödlichen Fallen werden können.” Seit gut zwei Jahren markieren die Rauchfangkehrer diese Gefahrenquellen mit Aufklebern, die zum Entfernen auffordern. Das wirke ganz gut, so Leiner. „Die Hälfte der Sachen wird dann weggeräumt.” Passiert das nicht, ist die Hausverwaltung für die Räumung der Fluchtwege verantwortlich – auf Kosten aller Bewohner.

Angesichts von 10.000 Brandeinsätzen der Feuerwehr pro Jahr spricht sich Leiner auch für den verpflichtenden Einbau von Brandmeldern in allen Wohnungen aus. „Das kann Leben retten, und die Kosten sind gering”, betont er. 

Vom Rußkehrer zum Experten für Brandschutz und Emissionen

In den gut 350 Jahren seit Gründung der Wiener Innung hat sich die Arbeit des Rauchfangkehrers verändert. Vom einstigen Rußkehrer ist er zum Experten für vorbeugenden Brandschutz, Wohnsicherheit, Energieeffizienz und Luftschutz geworden. Der Aufgabenbereich ist zweigeteilt – in sicherheitsrelevante und sonstige Aufgaben. Bei ersteren agiert die Branche als verlängerter Arm der Behörde. Diese Tätigkeiten sind per Gesetz und Verordnung genau geregelt – etwa Häufigkeit und Intervall der Kaminkehrungen, die Überprüfung des Luftverbundes zur Vermeidung von Kohlenmonoxid-Unfällen und die Emissionsmessung. 

Digitalisierung macht auch vor Rauchfangkehrern nicht halt

Etwa 450.000 Feuerstellen samt dazugehöriger Wohnungen und Bewohner obliegen dem Aufgabenbereich der Wiener Zunft. Gebietsschutz gibt es keinen mehr, Wien ist in Kehrgebiete aufgeteilt. Innerhalb derer können die Hauseigentümer ihren Rauchfangkehrer wählen. Bei nicht sicherheitsrelevanten Tätigkeiten wie dem Reinigen von Kachelöfen oder Heizkesseln sind die Rauchfangkehrer nicht an die Kehrgebiet-Einteilung gebunden.

Wie Rußbesen und -bürsten sollen bald auch mobile Kommunikationsmittel zur Grundausstattung der Wiener Rauchfangkehrer gehören, sagt Leiner. „Die Digitalisierung macht auch vor uns nicht halt.” Mitarbeiter, die via Tablet alle wichtigen Daten von Heizgeräten und Abgasanlagen auf Knopfdruck abrufen können – das sei die Vision. Die Herausforderung dabei ist, alle Betriebe auf dasselbe Niveau zu bekommen. In der Pilotphase ist derzeit eine Serviceplattform, die den Informationsaustausch zwischen Rauchfangkehrern, Hausverwaltungen und Behörden standardisiert und erleichtert.

„Ziel ist, dass sie alle Wiener Branchenbetriebe flächendeckend nutzen”, so Leiner.

Nachwuchssorgen muss sich der Innungsmeister übrigens nicht machen. „Wir haben genug Lehrlinge und mehr Bewerber, als wir aufnehmen können.” Derzeit bilden die 93 Betriebe 46 Lehrlinge aus – eine Quote, von der andere Branchen nur träumen können.

Quelle: Wiener Wirtschaft

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